Südbahn und Stuttgart21 - gut für unsere Region ?!

Veröffentlicht am 11.07.2010 in Kreisverband

Mit der Informationsveranstaltung zum Projekt Neubau Bahnstrecke Ulm-Stuttgart , Stuttgart21 und Elektrifizierung Südbahn hat die SPD Bodenseekreis einmal mehr bewiesen, dass sie sich auch bei kontrovers diskutierten Projekten nicht weg-duckt, sondern den BürgerInnen Informationen zur Bildung der eigenen Meinung vorstellt und zur Diskussion einlädt.

Der Verbandsdirektor des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben, Wilfried Franke erläuterte die Schritte, die wichtig waren und sind, damit die Strecke Lindau – Ulm bald ‚unter Strom‘ stehen kann: Der gesamtwirtschaftliche Nutzen (u. a. max. 1 Stunde Fahrzeit von FN nach Ulm, CO2-Einsparungen, Verlagerung von Güter- und Personenverkehr auf die Schiene, verringerte Unterhaltungskosten) beträgt das 2,2 bis 2,4-fache der Investitionen, so das Ergebnis einer Studie aus 2006. Der Interessenverband Südbahn hat durch die gemeinsame Vorfinanzierung der Vor-Planungen dafür gesorgt, dass die Südbahn von der Planung her aus heutiger Sicht pünktlich umgesetzt werden könnte und bewiesen, dass die Gemeinden und Verbände hier an einem Strang ziehen. Fehlen würden dazu aber immer noch die verbindlichen Zusagen von je 70 Mio. Euro durch Bund und Land, sowie eine Bürgschaft für 3,5 Mio. Euro an Planungskosten. Dann könnte die Elektrifizierung zwischen 2012 und 2015 umgesetzt werden und eines der letzten „Diesellöcher“ Deutschlands endlich geschlossen werden. Das nächste sich anschließende Projekt muss dann die Elektrifizierung der Strecke Friedrichshafen – Radolfzell (Bodensee-Gürtelbahn) werden – hier laufen zur Zeit Bemühungen, einen ähnlichen Interessenverband wie bei der Südbahn zu gründen.

Wolfgang Drexler (Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart – Ulm und Vizepräsident des Landtags von Baden-Württemberg) erläuterte die Vorzüge des Gesamtprojektes: Bei planmäßiger Fertigstellung der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm und Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofes
• könnten die Reisenden ab 2019 von Ulm aus in 28 Minuten statt bisher 56 Minuten nach Stuttgart (bzw auch zur Messe und zum Flughafen) umstiegslos weiterfahren;
• könnten Reisezeitverkürzungen erzielt werden im ganzen Land (z. B. Stuttgart – Tübingen in 28 statt bis zu 60 Minuten, nach Heilbronn in 48 statt bisher 86 Minuten) oder bundesweit (z. B. Ulm – Frankfurt 107 statt 137 Minuten).
• könnten im Schienen-Personennahverkehr landesweit auf etlichen Strecken die Stunden- durch Halbstundentakte abgelöst werden.
• Ereben sich viele positive Stadtentwicklungsmöglichkeiten, die es bei einem Erhalt des Kopfbahnhofs nicht gäbe: Der Schlossgarten und der Rosensteinpark werden um 20 ha größer und damit Stuttgart grüner als bisher. Weitere 80 ha werden für den Neubau von Wohn- und Stadtquartieren frei, die nach Absicht der Stadt Stuttgart nachhaltig und ökologisch gebaut werden sollen.
• Könnte der Filderbahnhof Messe / Flughafen ausgebaut und angeschlossen wird.
• Die Elektrifizierung der Südbahn, der Ausbau der Bodensee-Gürtelbahn und das Umbauvorhaben Stuttgart 21 binden die Region Bodensee-Oberschwaben besser und schneller an das nationale und internationale Bahnnetz an.
Mit dem derzeitigen Kopfbahnhof kann man diese Leistungssteigerung aus diversen Gründen nicht erreichen, bitte lesen Sie nach unter Drexler: Behauptungen und Wahrheit zu Stuttgart21. Eine zusätzliche Verlärmung und ein hoher Flächenverbrauch wären die Folge und viel billiger würden diese Bauten auch nicht. Wolfgang Drexler machte auch deutlich, dass die Gelder, die im Zusammenhang mit S 21 nach Stuttgart fließen, aus haushaltsrechtlichen Gründen nicht in andere Vorhaben, etwa in Bildung oder in Sozialaufgaben, umgeleitet werden könnten. "Wenn wir das Geld vom Bund nicht nehmen, wird es woanders in Verkehrsbauten gesteckt. Projektanträge anderer Bundesländer warten nur darauf", so der Landtagsabgeordnete. Für ihn undenkbar ist ein zusätzlicher Schienenstrang entlang des Neckars und dann hoch auf die Fildern. Diesen Alternativ-Vorschlag hatten Anhänger der Initiative Kopfbahnhof 21 gemacht. Dies führe zum Kollaps einer ohnehin schon ökologisch überstrapazierten Industrieachse und zu einer dauerhaften Verlärmung.
Nach Prognosen der Universität Stuttgart werden mit dem Gesamtprojekt 18 Mio. Personenfahrten von der Straße auf die Schiene verlagert, was einer jährlichen CO2-Einsparung von 70 000 t entspricht.
Dass solche Neuordnungen von Schienenverkehren in einem Ballungsraum wie Stuttgart teuer werden, ist leider nicht zu vermeiden. Grundlage des Vertragsabschlusses sind Kosten von 4,08 Mrd. Euro für Stuttgart 21 und 2 Mrd. Euro für die schnelle Trasse von Ulm nach Wendlingen. Während sich alle Anwesenden beim Thema Südbahn weitestgehend einig waren, kam es nach dem engagierten Vortrag von Wolfgang Drexler bei der Diskussion zur Neubaustrecke und Stuttgart21 zu vielen kritischen Beiträgen.
Viele gute Gründe sprechen also für das Bahnprojekt Stuttgart – Ulm. Deswegen haben alle verantwortlichen Gremien im Land und der Region Stuttgart die politische Entscheidung für Stuttgart 21 gefällt, die zur Umsetzung notwendigen Verträge unterschrieben und die Ausführung im Februar 2010 gestartet.